Vortrag aus der Reihe "Lebendige Antike"

17.06.2021 - 19:30:00 bis 00:00:00

Prof. Dr. Jan Felix Gärtner, Universität Köln

Caesar und die Macht der Medien. Politische Ziele und literarische Strategien in den 50er Jahren vor Christus.

 

Caesars Darstellung seiner militärischen Erfolge im Gallischen Krieg (Commentarii de Bello Gallico) ist traditionell ein zentraler Gegenstand des Lateinunterrichts. Unser Blick auf dieses Werk ist geprägt von unserem heutigen Wissen um Caesars weltgeschichtliche Bedeutung und von unseren modernen Vorstellungen von politischer Publizistik und Propaganda. Dabei werden leicht einige wichtige Unterschiede übersehen: Erstens waren die Verbreitungsmöglichkeiten und die Alphabetisierung viel geringer als heute; zweitens spielten die persönliche Interaktion und Anwesenheit eines Staatsmannes in Rom eine viel größere Rolle; und drittens waren die politischen Gruppen weniger fest gefügt und voneinander abgegrenzt als in unserer Zeit. Im Rahmen des Vortrags wird daher ein etwas anderer Zugang versucht: Zum einen wird Caesars Darstellung des Gallischen Krieges in ein breites Spektrum intellektueller Interessen und schriftstellerischer Projekte eingeordnet, mit denen der Staatsmann aus der Ferne ‚Kontaktpflege‘ betrieb und sich bei der stadtrömischen Elite in Erinnerung brachte. Und zum anderen soll — vor allem anhand der Darstellung des letzten großen Aufstandes unter Vercingetorix (52 v. Chr.) — der literarische Anspruch Caesars herausgearbeitet werden.