Exkursionen

Um die Antike in all ihren Facetten für unsere Schülerinnen und Schülern lebendig werden zu lassen, beziehen wir außerschulische Lernorte in den Unterricht mit ein. Diese orientieren sich konzeptionell einerseits am Alter der Schülerinnen und Schüler sowie andererseits an ihrem Lernfortschritt und bauen organisch aufeinander auf.

Tagesfahrt nach Rheinbrohl

Im ersten Lernjahr in Latein in Klasse 5 steht naturgemäß der Alltag der Römer im Zentrum der Betrachtung. Dazu passt ideal der Besuch des Erlebnismuseums Römerwelt am caput limitisin Rheinbrohl. Unter dem Motto „Sehen – Verstehen – Erleben“ erfahren die Schülerinnen und Schüler bei einer Führung oder Rally durch die interaktive Ausstellung und das Außengelände die wichtigsten Fakten zum zivilen Leben am Limes und was es bedeutete, als Soldat Roms im fernen rauen Germanien zu dienen. Die erworbenen Kenntnisse vertiefen die Schülerinnen und Schüler in pädagogisch ausgearbeiteten Workshops: So werden im Workshop Ernährung die damaligen Ernährungsgewohnheiten vermittelt und eine römische Speise hergestellt, die anschließend natürlich gemeinsam verkostet wird. Im Workshop Militärwesen/Auxiliar können die Schülerinnen und Schüler an einer Grundausbildung wie bei den römischen Auxiliartruppen teilnehmen, die mit einem Diplom besiegelt wird.

Tagesfahrt nach Trier

Für die Schüler der 6. Klassen wird regelmäßig eine Fahrt in die Römerstadt Trier organisiert. Die 16 v. Chr. gegründete Stadt ist ein ideales Ausflugsziel, um auf Spurensuche der Römer zu gehen. Die Schüler nehmen an einer Erlebnisführung durch die Porta Nigra teil und erkunden Palastaula, Amphitheater und Kaiserthermen in Form einer Ralley mit Fragebogen.

Die römische Palastaulaist Teil des UNESCO-Welterbes für „Römische Baudenkmäler. Die Schüler gehen u.a. der Frage nach, warum sich die Palastaula zu römischer Zeit so gut als Audienzhalle der römischen Kaiser nutzen ließ.

Im Amphitheaterlässt sich die Akustik in den Rängen durch das Fallen einer Münze prüfen und die Schüler können in den „Keller“ des Theaters hinabsteigen.

In den Kaiserthermenlassen sich viele Gruppenaufträge durchführen. Besonders spannend ist die Erkundung der Wasserversorgung sowie der Fußboden- bzw. Wandheizungen, der sogenannten Hypokausten.

Einen Höhepunkt des Tages bildet meistens die Erlebnisführung durch die Porta Nigra. Ein Zenturio - im Glanz seiner Paraderüstung - entführt die Schüler in jene Zeit, als Rom die Welt regierte und der Kaiser in Trier die Geschicke des Imperiums leitete. Plötzlich stehen die Schüler inmitten jener ereignisreichen Zeit - und das nicht nur als passive Beobachter!

Wenn die Zeit es zulässt, besuchen die Schüler zum Abschluss des Tages noch das Landesmuseummit ihrer großen Sammlung aus Grabreliefs und Götterbildern aus Stein und dem besonders schönen Mosaikensaales.

In dem am Görres-Gymnasium verwendeten Lehrwerk „Cursus“ widmet sich ein Kapitel im 2. Lehrjahr auch der Stadt Trier. Die Fachschaft Latein freut sich, dass eine Tagesexkursion nach  Trier von Koblenz gut zu organisieren ist und  erarbeitetes Wissen nicht nur theoretisch, sondern vor Ort vermittelt werden kann.

Tagesfahrt nach Köln

In der Jahrgangsstufe 7 ist Köln als weitere bedeutende ehemals römische Stadt das Ziel der weiteren Erkundungen. Die unter Kaiser Claudius 50 n.Chr. gegründete Stadt trug den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, aus dem sich der heutige Stadtname Kölnentwickelt hat. Sie war die Hauptstadt der römischen Provinz Germania inferior (Niedergermanien) und Hauptquartier des niedergermanischen Heeres. Entsprechend sind auch im heutigen Stadtbild von Köln zahlreiche sehr verschiedene Zeugnisse der alten römischen Stadt präsent. Im Rahmen einer Führung durch das römische Köln entdecken wir Teile des Nordtores, die auf der Domplatte neu aufgestellt wurden, sowie Teile der römischen Stadtmauer in der Tiefgarage unter der Domplatte. Ein Höhepunkt bildet der Besuch des Prätoriums, des Palastes und Amtssitz des römischen Statthalters der Provinz Germania inferior. Die steinernen Überreste wurden beim Bau des neuen Rathauses 1953 weitgehend ausgegraben und sind unter dem sogenannten „Spanischen Bau“ des Rathauses, also eines modernen Gebäudes, zugänglich. Wir treten in Gebäude westlich des heutigen Alter Markt ein, stiegen die Treppen in den Keller hinab und befinden uns inmitten der steinernen Überreste des Palastes. Zum römischen Köln gehörte ebenfalls eine gut ausgebaute Wasserleitung, über die die Stadt mit frischem Trinkwasser aus der Eifel versorgt wurde. Zur Abwasserentsorgung dienten unterirische Leitungen, die zum Rhein führten. Vom Prätorium aus ist ein längerer Abschnitt einer solchen Abwasserleitung begehbar gemacht worden. So gehen wir auch hier auf Entdeckungsreise und erfahren spannende Details zum Bau römischer Wasserleitungen. 

Bei einem Besuch des römisch-germanischen Museums können verschiedene Aspekte durch eine thematische oder eine allgemeine Führung vertieft werden, wobei auch Interessensschwerpunkte der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden können. So können wir etwa an Hand einzelner ausgewählter Fundstücke Köln als bedeutende Handelsstadt der Römer am Rhein kennen lernen.

Studienfahrten nach Rom in der Jgst.12

Roma aeterna – das ewige Rom

Das Görres-Gymnasium veranstaltet regelmäßig Studienfahrten für die Klasse 12 nach Rom (Dauer ca. 1 Woche).

Roma aeterna – das ewige Rom

Dabei werden die antiken Stätten, die in den im Unterricht gelesenen Texten immer wieder als Kulisse genannt werden, ganz unmittelbar anschaulich: Wir stehen auf dem Forum Romanum, wo Cicero von der Rednerbühne (Rostra) aus seine Reden hielt, und betrachten deren Überreste. Auch vom Caesartempel, der als beeindruckende Kulisse der Bestattung und Einäscherung des ermordeten Diktators diente und von dem aus der römische Kaiserkult seinen Anfang nahm, und von vielen anderen Tempeln sind noch mächtige Ruinen zu sehen. Über die von Michelangelo gebaute Cordonata, eine mächtige Freitreppe, erklimmen wir von der Piazza Venezia aus das Kapitol, den wichtigsten Hügel Roms, wo in der Antike der Staatstempel der kapitolinischen Trias stand. Heute sind davon noch einige Reste im Untergeschoss der kapitolinischen Museen zu sehen. Der Senatorenpalast auf dem Kapitol ist seit langer Zeit das römische Standesamt, wo viele italienische Brautleute sich das Jawort geben. Den Kapitolsplatz hat ebenfalls Michelangelo gestaltet; er wird überragt durch die bronzene Reiterstatue des Philosophenkaisers Mark Aurel, der zum Vatikanhin zu grüßen scheint. In unmittelbarer Nähe befindet sich die berühmte Bronzeskulptur der römischen Wölfin mit ihren Adoptivsöhnen Romulus und Remus. Von dort sind es nur einige Minuten zum Circus Maximus, in dem sich jahrhundertelang die römischen Clubs, die Wagenrennen veranstalteten, um den Sieg stritten, so wie heute die Fußballvereine. 250.000 Römer konnten sich dort versammeln, um den Pferdegespannen zuzujubeln. Auch der Kaiser schaute von seiner Loge im Palatin, dem Hügel der kaiserlichen Residenz, aus zu. Ab 80 n. Chr. fanden die berühmten Spiele, die das stadtrömische Proletariat bei Laune hielten, im Kolosseumstatt, das bis heute als Symbol der ewigen Stadt gilt. Glücklicherweise kann es immer noch besichtigt werden, denn ein alter Spruch sagt: „Solange das Kolosseum steht, steht auch Rom; wenn das Kolosseum fällt, geht auch Rom unter; wenn Rom untergeht, ist das das Ende der Welt“. 

Einen hervorragenden Eindruck vom Aufbau und Leben in einer antiken Stadt vermittelt Ostia, der einstige Hafen Roms an der Tibermündung. Wie öffentliches und gesellschaftliches Leben, Infrastruktur, Handel, Gastronomie aufgebaut waren und funktioniert haben, lässt sich hier auf besondere Art und Weise – auf Schritt und Tritt - erleben. Allerdings musste Ostia aufgrund von Verlandung schon im 1. Jh. durch den in der Nähe des heutigen Flughafens Fiumicino gelegenen Ort Portus Romae ersetzt werden. Die Reste des Hafenbeckens sind immer noch gut zu erkennen.

Wir besichtigen nicht nur die antiken Überreste, sondern natürlich auch die wichtigsten der über 1000Kirchendieser Stadt, allen voran natürlich den Petersdom mit den Vatikanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle, in der bis heute die Papstwahl stattfindet. Neben dem Petersdom stehen auch die anderen großen Basiliken der Stadt auf dem Besichtigungsprogramm: Sa. Maria Maggiore, S. Giovanni in Laterano, der eigentliche Sitz des Bischofs von Rom und S. Paul vor dem Mauern mit dem jetzt freigelegten Grab des Apostels Paulus. Von ganz eigener Atmosphäre und sehr nachhaltig ist der Besuch der Katakomben – S. Callisto oder Sa. Domitilla oder die Besichtigung der Nekropole unterhalb des Petersdoms aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. 

Ein gutes Beispiel für die kontinuierliche Besiedlung und doch auch grundsätzliche Wandlung der Stadt ist die Kirche San Clemente, die auf dem Weg vom Kolosseum zum Lateran liegt: Dort betrachtet man eine mittelalterliche Kirche und steigt danach in den Keller hinab, wo sich die Überreste einer frühmittelalterlichen Vorgängerbasilika befinden. Aber das ist noch nicht alles: Im zweiten Untergeschoss sieht man ein gut erhaltenes Mithrasheiligtum aus der Spätantike. Noch einige Meter weiter im Untergrund sind sogar die Reste von Gebäuden zu besichtigen, die beim Brand Roms zur Zeit des Kaisers Nero zerstört wurden.

Didaktik der Studienfahrt

In dieser Studienfahrt lernen die Schülerinnen und Schüler, dass das antike Rom nicht untergegangen ist, sondern durch die außergewöhnliche Geschichte und Bedeutung dieser Stadt auch in Spätantike, Mittelalter und Renaissance eine beeindruckende Verbindung mit den jüngeren und moderneren Bauten eingegangen ist, wie sie in dieser Form auf der Welt sicher einzigartig ist. Also wird nicht nur das antike Rom, sondern auch das Rom der Renaissance und des Barock vor den Augen der Mitfahrer lebendig. Die Fahrt veranschaulicht also neben den Inhalten des Faches Latein auch die der Fächer Geschichte und Kunst.

Diese Fahrt der MSS 12 ist also vom Grundcharakter her kein bloßes Sightseeing, sondern eine Studienfahrt. Vor Ort finden aber keine Führungen durch lokale guides statt, sondern die Schüler selbst sind sozusagen ihre eigenen Fremdenführer, die die Monumente durch zuvor verfasste Referate erklären (natürlich u. U. ergänzt durch die begleitenden Lehrer). Wir reisen per Flug nach Rom und die Unterkunft erfolgt in einem einfachen Hotel. Natürlich haben die Schülerinnen und Schüler auch die Gelegenheit, die berühmte Atmosphäre der ewigen Stadt nach Abschluss der Besichtigungen auf eigene Faust zu erkunden, z. B. durch ein Eis vor dem Pantheon, auf der Piazza Navona oder auf der Spanischen Treppe oder einen Bummel durch die berühmten Einkaufsstraßen um die Via Condotti herum am Corso oder an der Via Nazionale.

Besuche in Theatern und Museen

Häufig werden antike Theaterstücke von griechischen oder römischen Autoren auch heute noch immer wieder auf deutschen Bühnen aufgeführt. Sofern diese erreichbar sind, versuchen wir, entsprechende Exkursionen mit Schülern zu unternehmen. Am häufigsten besuchen wir natürlich das Koblenzer Theater.

Wir erhoffen uns von solchen Exkursionen, dass die Schüler dabei erleben, wie lebendig antike Inhalte und Themen heute noch sind und dass sie dadurch noch mehr Motivation für das Fach Latein bekommen.

Beispiele für Theaterbesuche der letzten Jahre:

            23.6.2016 Koblenz, Die Troerinnen/Orestie

3.3.2017 Frankfurt, Oper: Hector Berlioz, „Les Troyens“ 

Auch Ausstellungen in Museen von erreichbarer Nähe (Mainz, Köln, Trier, Bonn, Mannheim), die sich mit antiken Themen auseinandersetzen, haben wir schon häufig besucht. Diese Exkursionen werden inhaltlich im Unterricht vor- und nachbereitet.

Beispiele für Museumsbesuche der letzten Jahre:

12.5.2016 Frankfurt/Main, Liebieghaus: „Athen. Triumph der Bilder“ 

31.5.2016 Trier, Landesmuseum: „Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann“

20.12.2017, Bonn, LVR-LandesMuseum: „Im Meer versunken, Sizilien und die Unterwasserarchäologie“