Das Görres-Logo –

die Septem Artes Liberales


Seit einigen Jahren hat das Görres-Gymnasium ein neues, eigenes Logo: wo zuvor die Hauptfassade des altehrwürdigen Hauptgebäudes Namen und Träger der Schule bot, wächst jetzt rechts neben dem Namenszug nach oben ein (stilisierter) Baum, darunter knapp und markant das Bildungsprogramm der Schule. Dieses ist für sich genommen selbsterklärend, nicht indes der Baum, welcher dem Programm erst Inhalt verleiht …

Es fällt sogleich in den Blick, daß der Stamm des Baumes sich gabelt und auf beiden Seiten der Gabel sich eine Gruppe von Zweigen gegenüber der je anderen Seite absetzt, einmal drei, einmal vier – sieben Zweige für die Sieben Freien Künste, die Septem Artes Liberales. Dabei bezeichnet Ars weniger die ‚Kunst‘ im heutigen Sinne, sondern eher Fertigkeit und Befähigung, liberalis den (antiken) ‚freien Menschen‘, welcher sich – im Unterschied zum Diener – zu solchen Beschäftigungen den entsprechenden Freiraum schaffen konnte.

Diese setzen sich zusammen aus dem:

a.)    sprachlichen Dreiweg, dem Trivium aus Grammatik, Rhetorik und Dialektik,

sowie dem

b.)    mathematisch-realen Vierweg, dem Quadrivium aus Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie.

Unter Grammatik verstehen wir die Sprachlehre, mutter- wie fremdsprachlich. Die Rhetorik, ursprünglich die Lehre von der (gesprochenen) Rede, erweitert sich seit der Spätantike zu einer Lehre vom sprachlichen Ausdruck und der Literatur überhaupt. Dialektik steht für gedankliche Logik in Gespräch wie Text sowie (an der Universität) in der gelehrten Disputation.
Die Arithmetik handelt von den Zahlen und dem, was in ihrem Zusammenspiel zum Ausdruck kommt. Musik ist Harmonielehre und drückt das Verhältnis der Töne zueinander (Akkorde, Intervalle) in Zahlen aus (Terz, Quart, Oktav …). Lehre und Bemessung von Strecke, Fläche und Körper (mit Lineal und Zirkel) ist Gegenstand der Geometrie, die darin von der (mit Landkarte und Globus) beschreibenden Geo-graphie zu unterscheiden ist. Die Astronomie beschäftigt sich mit den Himmelskörpern, den Umlaufbahnen der Planeten, den Sternbildern.

Als <artes> sind sie im (späten) Hellenismus (um 100 v. Chr.) kanonisiert, von dem Juristen Martianus Capella aus Karthago 419-39 sodann in seiner Enzyklopädie De nuptiis Philologiae et Mercurii (‚Über die Vermählung der Philologie mit Merkur‘) systematisiert worden. Eine weitere Gesamtdarstellung finden wir an der Schwelle zum Mittelalter in den ersten drei Büchern des Kompendiums Etymologiae des Bischofs Isidor von Sevilla († 636) und in De rerum naturis des Mainzer Erzbischofs (847) Rabanus Maurus.
Seit dem 7./8. Jh. stellen sie in den (westlichen) Kloster- und Lateinschulen die Grundlage der mittelalterlich abendländischen Bildungsordnung bis zu Humanismus (Erasmus von Rotterdam 1466-1536) und Barock (Jan Amos Comenius 17. Jh.) dar. Sie werden später als Propädeutik für die 'Höheren Fakultäten' Theologie – Medizin – Recht von den 'Artistenfakultäten' der Universitäten gelehrt (dies etwa der Bildungsgang Martin Luthers). Im Sinne eines ‚Studium Generale‘ stehen sie von Neuem im Blickpunkt der modernen Universität.

                                                                                                                                             Michael P. Schmude