Generationen von jungen Menschen sind aus dieser Schule lebenstüchtig und charakterfest hervorgegangen und haben sich in den mannigfaltigsten Aufgaben des Lebens unseres Volkes bestens bewährt …“ Als der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier 1957 dem Görres-Gymnasium  eine Grußadresse übermittelte, existierte die Schule unter diesem Namen gerade einmal neun Jahre. Gleichzeitig konnte die „Anstalt“ – so die mehr oder weniger liebevolle zeitgenössische Bezeichnung – da bereits auf eine 375 jährige Geschichte zurückblicken, die stets eng mit derjenigen von Stadt und Region verknüpft war.

Gegründet 1582 als Jesuitenkollegium, erlebte die Schule rasch einen außerordentlichen Aufschwung, welcher durch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges kaum gebremst wurde. Zerstörungen in der Folge des  Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 – etwa ein Drittel des Koblenzer Stadtgebietes war davon betroffen – zogen das alte Schulgebäude allerdings derart in Mitleidenschaft, dass ein Neubau notwendig erschien, den man an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert realisierte. Heute beherbergen Teile dieses Gebäudekomplexes das Koblenzer Rathaus. Wer an der Südseite des Jesuitenplatzes die beiden barocken Portale betrachtet, kann an deren Inschriften „Collegium Societatis Jesu“ und „Gymnasium Confluentinum“ noch heute Spuren der ursprünglichen Zweckbestimmung des Gebäudes erkennen, das zeitweise bis zu 900 Schülern gleichzeitig als Bildungsstätte diente. In der Mitte des Platzes erinnert ein Denkmal an den Mediziner Johannes Müller, der als Schüler – wie eine Reihe anderer bedeutender Persönlichkeiten – das Koblenzer Gymnasium besucht hatte. 

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 ging die Schule, wie die Region Koblenz, stürmischen Zeiten entgegen, welche heute unter dem Begriff Französische Revolution zusammengefasst werden. In der Folge des Friedens von Campo Formio (1797) gelangten die linksrheinischen Gebiete Deutschlands an Frankreich. Koblenz wurde Hauptstadt des „Departement de Rhin et Moselle“ und sein nunmehr „Kurfürstliches Gymnasium“ – der letzte in Koblenz residierende Trierer Kurfürst, Clemens Wenzeslaus, war 1794 auf seiner Staatsyacht vor den anrückenden Franzosen geflohen – wurde eine „école secondaire“. 1803 betrug ihre Schülerzahl gerade noch 115.

Nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress (1814/15) blieb Koblenz Hauptstadt, nun allerdings diejenige der Rheinprovinz Preußens. Preußische Bildungs- und Verwaltungsreformen ebneten dem „Königlich Preußischen Gymnasium“ in Koblenz den Weg in die Moderne. Im 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreich bildete Preußen in jeder Hinsicht die dominierende Macht und die Bedeutung der preußischen Garnisonstadt Koblenz manifestierte sich in einer ganzen Reihe baulicher Maßnahmen. Im Hinblick auf das „Königlich Preußische Gymnasium“ fand dies seinen Ausdruck im repräsentativen Neubau von 1894, dem heutigen Hauptgebäude. Anlässlich seiner Einweihung erhielt die Schule den Namen „Kaiserin-Augusta-Gymnasium“, eine Hommage an die vier Jahre zuvor verstorbene Kaiserin, welche sich gerade bei den Koblenzern besonderer Beliebtheit erfreut hatte.

Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts und vor allem die Barbarei des Nationalsozialismus ließen es notwendig erscheinen, den schulischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine Umbenennung (1948) augenfällig zu machen. Man wählte als Namensgeber den Gelehrten und Publizisten Joseph Görres, der seinerzeit selbst die Schule besucht sowie als Lehrer dort gewirkt hatte. Damit bekannte sich die Schule bewusst zu den Idealen  freiheitlich-humanistischen Denkens und Handelns sowie zur Pflege abendländischer Kulturtradition. Das eingangs zitierte Grußwort Peter Altmeiers spiegelt diesen Anspruch wider.

Inzwischen ist das Görres-Gymnasium im 21.Jahrhundert angekommen, an die Zeiten der „Anstalt“ erinnert heute allein noch der Name seiner Schülerzeitung. Ihre lange Geschichte als Verpflichtung begreifend stellt sich die Schule als lebendiger Teil einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft den Herausforderungen der Zeit. Dazu zählt auch eine permanente Weiterentwicklung von Bildungsinhalten, um dem genannten Anspruch in je zeitgemäßer Form gerecht werden zu können. Der ehemalige Koblenzer Oberbürgermeister und „Görresianer“, Eberhard Schulte-Wissermann, hat dies anlässlich der 425-Jahrfeier des Görres-Gymnasiums im Jahr 2007 folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

Koblenz ist ein exzellenter Bildungsstandort, dessen Ruf vom Görres-Gymnasium mitgeprägt wird. Dem Wandel verpflichtet, gehört das Gymnasium seit dem Jahr 2004zu den auserwählten MINT-EC-Schulen. Als naturwissenschaftliches Excellence-Center bekennt sich die Schule ausdrücklich zur Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Nicht nur ein weiterer Schwerpunkt mit Blick auf Berufsperspektiven, sondern auch ein Standortfaktor für die IT-Stadt Koblenz. Dennoch ist die Schule mehr als eine Stätte des Lehrens und Lernens. Sie ist ein Ort, an dem ein humanistisches und aufgeklärtes Weltbild vermittelt wird. Eine Schule für Persönlichkeitsentwicklung und fürs Leben.“