Römisches Wohnen – ein durch den Förderverein unterstütztes Projekt

30.07.2018 - 19:32:00 bis 21:32:00

Auch in diesem Jahr hat der Förderverein wieder großzügig ein archäologisch ausgerichtetes Projekt mit Exkursion des Fachbereiches Latein im Rahmen der Profiltage unterstützt: 21 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8-12 arbeiteten gemeinsam mit Herrn Klünemann und Frau Reitz über das Thema “Wohnen im römischen Reich”.

Zunächst wurde der theoretische Hintergrund erarbeitet: Ausgehend von der Frage, welche unterschiedlichen Bedürfnisse des Wohnens je nach geographischem Raum, nach Schicht und nach historischer und politischer Lage, nicht zuletzt aber auch nach Mode und nach persönlichem Geschmack gestillt werden mussten, beschäftigten die Schülerinnen und Schüler sich in Arbeitsgruppen mit den verschiedenen Haustypen im römischen Reich und erstellten dazu kurze Präsentationen. 

 

Hier war zuerst das italische Stadthaus (domus, villa urbana, villa suburbana) zu nennen, das zunächst um einen Innenhof (atrium) mit Regenwasserbecken (impluvium) herum gebaut war, später dann mit einem griechisch inspirierten Säulengarten (Peristyl) kombiniert wurde. Je nach Geldbeutel des Besitzers konnten diese Villen geradezu luxuriös ausgebaut sein, besonders dann, wenn sie am Wasser lagen und einen schönen Meerblick besaßen (villa maritima). Davon unterschied sich das ländliche Gutshaus (villa rustica), das neben dem Wohnbereich über einen großen angeschlossenen Wirtschaftsbereich verfügt. Der einfache Plebejer in der Stadt lebte allerdings in bis zu sechsstöckigen, z. gr.T. mit Baumängeln behafteten Mietshäusern (insulae). 

 

Der Schwerpunkt des Projekts lag jedoch auf der villa rustica des keltischen Siedlungsraumes, da ein Beispiel für diesen Typ auch das Ziel der Exkursion war: die im Dreiländereck an der Grenze zu Luxemburg und Frankreich nahe dem sauerländischen Perl gelegene Villa Borg. Bei diesem Villentyp ging es nicht so sehr um landwirtschaftliche Überproduktion aus finanziellen Interessen, sondern eher um die Versorgung der Bevölkerung; dafür existieren viele, u. U. auch teilrekonstruierte Beispiele im moselländischen Gebiet, von denen die Villa Borg, die in den Jahren 1994 - 2001 wieder aufgebaut wurde, ein herausragendes Beispiel ist.

Auf die Theorie folgte wie in den vergangenen Jahren wieder die Praxis einer ganztägigen Exkursion. Die Projektgruppe fuhr zur zur Villa Borg, wo sie in einer äußerst lebendigen Erlebnisführung mit dem “Sklaven Iatros” die Gesamtanlage des rekonstruierten Wohnbereiches (pars domestica) kennen lernte. Die einzelnen Räume, z. B. die Empfangsaula (tablinum), das Speisezimmer (triclinium), die Thermen oder die Küche, nicht zuletzt auch die Latrinen, wurden alle im historischen und kulturgeschichtlichen Kontext erklärt. Nach einer Mittagspause in der hauseigenen Taverna ging es mit dem Bus weiter zur nahe gelegenen Palastvilla von Nennig, über deren Bewohner man bis heute nur spekulieren kann, die aber außergewöhnliche Ausmaße hatte (u.a. eine 250 lange Wandelhalle!) und mit 160 m2  das größte und vielleicht auch schönste römische Mosaik nördlich der Alpen aufweist. Nach einer Besichtigung mit Videovortrag ging es zurück nach Koblenz. Ohne den durch den Förderverein maßgeblich finanzierten Reisebus wäre diese Exkursion also nicht möglich gewesen. 

Der dritte Tag des Projektes diente in üblicher Weise der Dokumentation und Präsentation für das Schulfest. Der Fachbereich Latein freut sich sehr darüber, dass nach den Projekten zur antiken Schifffahrt und zum römischen Aquädukt in der Eifel nunmehr zum vierten Mal ein archäologisch orientiertes Projekt durchgeführt werden konnte und dankt dem Förderverein noch einmal sehr herzlich für seine erneute Förderung!