Holocaust-Überlebender aus München erzählt von seiner Kindheit in der NS- Zeit

25.04.2019 - 06:54:00 bis 08:54:00

Dank einer Initiative der Religionslehrerin Ruth Stein hatten die Religionsgruppen der Jahrgangsstufe 10 und die Geschichtsleistungskurse der Oberstufe die Möglichkeit, Ernst Grube, einen jüdischen NS-Verfolgten, kennenzulernen.

In der vollen Aula wurde es direkt still, als der 86-jährige begann erste Stationen aus seinem Leben zu berichten. Es bedeutete eine frühe traumatische Erfahrung für ihn und seine Geschwister, dass den Eltern nichts anderes übrigblieb, als ihre Kinder im jüdischen Kinderheim unterzubringen, weil sie wegen des Judentums der Mutter keine Wohnung mehr bekamen. Später, 1942, kam Ernst Grube in das Lager Milbertshofen. Über die dortigen Zustände berichtete der Zeitzeuge eindrücklich und bewegend, unterstützt von Bildern, die die damaligen Verhältnisse noch anschaulicher machten. 

Einige Monate vor Kriegsende, im Februar 1945, kamen seine Mutter und alle drei Kinder dann ins Ghetto Theresienstadt. Die Rettung erfolgte im Mai durch die Rote Armee. 

Die Anwesenden, neben den Jugendlichen auch einige Kolleginnen und Kollegen, waren interessiert und bewegt – so wollte eine Schülerin wissen, ob ihm die stetige Erinnerung und die Berichte über diese Zeit schwer falle. „Sicher“, so der Zeitzeuge klar bekennend; aber er betonte auch, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, über sein Leben und die gemachten Erfahrungen zu berichten.

Deutlich wurde dies besonders, als er von der Schändung eines jüdischen Grabsteins in Izbica berichtete, wo im damaligen Ghetto seine beiden Tanten und deren ganze Familien ermordet worden sind. Er bezeichne sich nicht als „besonders religiösen“ Menschen, aber der Respekt vor den Toten und deren Erlebnissen sei ihm wichtig. Entsprechend betrachte er die Aufarbeitung der NS-Zeit und die Weitervermittlung an die heutige Generation als Herzensprojekt.

Ob er auch an Widerstand gedacht habe?, so die Nachfrage eines Schülers. Hier verwies Ernst Grube auf seinen Vater, der aktiv „Widerstand im Kleinen“ leistete: trotz des Drucks der Nazis ließ sich der katholische Vater nicht von seiner jüdischen Frau scheiden und riet sogar seinen Kindern, nicht immer den Judenstern zu tragen, sondern sich der öffentlichen Diskriminierung auch mal zu entziehen.

Am Ende appellierte Ernst Grube noch einmal eindringlich an die anwesenden Schülerinnen und Schüler: „Reagiert und greift ein, wenn ihr Antisemitismus begegnet.“

Eine Aufforderung, die – leider – in der heutigen Zeit wieder bedeutsam geworden ist.