GRIECHENLANDFAHRT 2017

20.08.2017 - 07:15:00 bis

Wo die Wiege der abendländischen Kultur steht, wo man vor dem Erscheinen olympischer Gottheiten nicht gefeit ist, wo die unsere Geisteswelt nachhaltig beeinflussenden Philosophen der Antike philosophierten, wo die Demokratie ihren Ursprung hat, wo sich Griechen und Perser bekriegten, wo der heilige Völkerapostel Paulus den christlichen Urgemeinden predigte – dort wandelten vom 17. bis 24. Juni 2017 18 Griechischschüler der Stufen 10 und 11 unserer Schule und frönten dem Mysterienkult namens „Görres-Griechenlandfahrt“.

In diesem Jahr waren wir gemeinsam mit Griechischschülern und zwei Lehrern des Lahnsteiner Johannes-Gymnasiums auf dem Weg. Nach regnerisch-nächtlicher Ankunft an Athens Flughafen hieß die erste Station am nächsten Morgen „Hosios Lukas“, ein wunderbar gelegenes orthodoxes Kloster, das den Besucher durch überreichen Bildschmuck (Ikonen) in seinen Bann zieht. Immer wieder begegnete auf der Reise nicht nur die antike, sondern auch die byzantinische Kultur.

Wir besuchten das Dorf „Distomo“. Eine Gedenkstätte mit einem kleinem Museum macht auf die schrecklichen Geschehnisse im Jahr 1944, als die deutsche Waffen-SS ein verheerendes Massaker verübte, dem über 200 unschuldige Zivilisten zum Opfer fielen, aufmerksam. Die freundliche Aufnahme unserer Gruppe durch die Einheimischen war umso bewegender.

Als erste große antike Stätte lag Delphi auf der Reiseroute. Jenes Heiligtum mit Apollotempel nebst sagenumwobener Pythia sowie eine (freiwillige) Wanderung durch das Parnass-Gebirge begeisterten. Einmalig schöne Natur konnten wir in Delphi wie überall in Griechenland genießen. Wir verließen das Festland in Richtung Peloponnes, wobei Herr Hecker uns in mit allzeit willkommenen deklamierenden Kurzvorträgen zu Flora und Fauna wachzuhalten verstand…

Wir besichtigten die Ausgrabungen in Olympia, wobei die Berichte über Phidias‘ Baukunst faszinierten. Wenngleich sich das Görres-Team im Wettlauf, der im antiken Stadion ausgetragen wurde, den Schülern des „Johnny“ geschlagen geben musste, konnte Görresianer Alexander Schreiner nach siegreichem Ringkampf aus den Händen der obwaltenden Demeter-Priesterin Ute Pitsch den floralen Kampfpreis empfangen.

Nun führte uns der Weg nach Epidauros. Dort pflegte man in der Antike den Asklepioskult und therapierte Krankheiten im Lichte der Erkenntnis, dass zur physischen Genesung die geistige bzw. seelische Medizin von größter Bedeutung ist. Dank dieser Kurmethode durften wir das phantastische und genial in die Landschaft eingebettete Theater besichtigen. Der technisierte Mensch des 21. Jahrhunderts muss vor dieser Meisterleistung erblassen.

Ferner sollten wir auch Mykene beehren, dessen kultureller Höhepunkt weit vor dem z. B. der antiken Hochkultur Athens (5. Jh. v. Chr.), genauer im 14./13. Jh. v. Chr., anzusiedeln ist. Bei sengender Hitze vermochte die Heckersche Erzählkunst, dass wir dem Schicksal der mindestens 97. Generation des Atreus-Clans lauschten. Buchstäblich und emotional finster wurde es im Kuppelgrab während des Vortrages aus dem 11. Gesang der Odyssee von Homer (dem vom Besuch des Odysseus in der Unterwelt handelnden Teil). In Nauplia erklommen wir die venezianische Festung „Palamidi“ (900 Stufen!); das touristische Tolo bot Gelegenheit, sich im kühlenden Nass des Mittelmeeres zu erfrischen.

Darüber hinaus erkundeten wir das weniger frequentierte Korinth (hochinteressante Historie) samt alter Hochstadt (Akrokorinth), wo sich ein Panoramablick über Korinthischen und Saronischen Golf mitsamt Korinthischem Kanal (Isthmos) auftat.

Zu Wasser bewegten wir uns am vorletzten Tag auf die malerische Pinieninsel Ägina und bestaunten – abgerundet von einem gemütlichen Einkaufsbummel – den Aphäatempel.

Ihren Abschluss fand die Reise in Athen. Höhepunkt war freilich die Akropolis, deren phänomenale Bauweise tief beeindruckte. Stoa Poikile, Hephaisteion, Nationalmuseum, Akropolismuseum, Theater etc. wurden besichtigt und wie schon in Korinth kam die Zitation der dem Ort entsprechenden Bibelstelle nicht zu kurz. Stets führten Schülerreferate in die Besichtigungen ein.

Welches Resümee können wir Schüler ziehen?

Zunächst gilt es, den begleitenden Lehrkräften, Herrn Hecker und Frau Pitsch, für die mit viel Herzblut getane Reiseleitung herzlich „Evcharisto poli“/„Vielen Dank“ zu sagen.

Für uns Schüler war die traditionelle Griechenlandfahrt eine großartige Reise, die uns gewiss lange in Erinnerung bleiben wird. Jene Stätten tatsächlich vor sich zu sehen, macht die Unterrichtsthemen greifbar und lässt großen Respekt vor der antiken griechischen Kultur wachsen. Das moderne Hellas erschien uns als leider von der Wirtschaftskrise schwer gezeichnet.

Es wurde deutlich, dass das antike Erbe bewahrt werden muss und dass eine Beschäftigung damit im Altgriechischunterricht bzw. in Form einer solchen Reise nach Griechenland alles andere als rückständig, vielmehr angesichts der gegenwärtigen politischen und kulturellen Großwetterlage dringend notwendig ist und zukunftsfest macht.

Johannes Gold