Ausstellung "Lebensunwert" löst Kontroversen im Leistungskurs Geschichte aus

09.02.2018 - 09:58:36 bis 11:10:00

Mit einem unangenehmem, aber trotzdem wichtigem Themenbereich aus der Zeit des Nationalsozialismus hat sich der Leistungskurs Geschichte der MSS 11 des Görres-Gymnasiums beschäftigt.

Gemeinsam mit dem Lehrer Daniel Lomp und der Referendarin Stephanie Weyrich besuchten die Jugendlichen die Ausstellung „Lebensunwert – entwürdigt und vernichtet. Zwangssterilisation und Patientenmorde im Nationalsozialismus“ im Landeshauptarchiv Koblenz.

Dr. Christine Goebel, die durch die Ausstellung führte, erläuterte den Schülerinnen und Schülern zunächst die Aufgaben des Archives und verwies auf das weitere Angebot des Hauses, das für die Arbeit in der Oberstufe nützlich sein kann.

Bereits der Weg in den ersten Stock zur Ausstellung zeigte, dass sich alle einem schwierigen und beklemmenden Thema annäherten – die Stufen waren mit Zitaten versehen, wie z. B. „Eugenik gab es nicht nur zur Zeit des Nationalsozialismus, sondern bis heute“.

Goebel berichtete, dass während der NS-Zeit ca. 400000 Menschen zwangssterilisiert und über 200000 Psychatriepatienten ermordet wurden. Die Zahlen an sich erstaunten die Lernenden, da diese Opfergruppen im (Geschichts-)Unterricht, aber auch in der Öffentlichkeit nicht im Mittelpunkt stehen.

Eine Lücke, die das Landeshauptarchiv gekonnt schließt – die Jugendlichen nahmen besonders die regionalen Bezüge wahr.

Gerade der umstrittene Koblenzer Arzt Fritz Michel, der im Evangelischen Stift tätig war, sorgte, v. a. in der Nachbereitung im Unterricht, für Diskussionen. Zwar hat sich dieser u. a. im Bereich der Heimatforschung verdient gemacht, war aber auch für die Durchführung von Zwangssterilisationen zuständig. Dass er heute (noch) Ehrenbürger der Städte Koblenz und Lahnstein ist, verstörte einige.

Anderseits gab es Schüler, die versuchten das Verhalten des Arztes zeitgenössisch zu erklären und auch die positiven Verdienste für die Stadt Koblenz sehen. Lebhaft wurde gestritten, inwieweit Widerstand zur NS-Zeit möglich war und sein musste.

Es zeigte sich im Kurs, dass Geschichte also stets reflektiert und (neu) bewertet werden muss; ein Anstoß, den die Ausstellung verdeutlichte.

Daniel Lomp