Gründe für Griechisch

Gründe für Griechisch

Warum soll ich Altgriechisch lernen? Diese Frage stellt sich die Schülerin oder der Schüler des humanistischen Gymnasiums vor dem Hintergrund, dass sie oder er bereits drei Jahre lang eine andere alte Sprache, das Lateinische, erlernt. Was soll es jetzt bringen, noch eine weitere Sprache zu erlernen, die eine reine Kultur- und Rezeptionssprache ist, also nicht mehr aktiv gesprochen wird? Umgekehrt gibt es immer wieder begeisterte Anhänger des Griechischen, die seinen Wert gerade in der heutigen Zeit offensiv verteidigen.

 

Europäische Identität: Was ist Europa?

Mythologie, Philosophie, Ethik, Literatur, politische Theorie und Praxis, Religion und Wissenschaft – es gibt keinen Bereich unseres Denkens, in dem die Griechen nicht grundsätzliche Modelle entwickelt hätten. Die kreative und kritische Auseinandersetzung mit diesen Modellen bildete in den vergangenen 2000 Jahren die „europäische Identität“, d.h. die Selbst- und Weltsicht Europas (und damit auch Nordamerikas). Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend der Ruf nach gleichrangiger Wertschätzung von Kulturen erhoben wurde: In der Auseinandersetzung mit dem Fremden ist die Frage nach dem Selbst essentiell. Es gibt einen historischen Grund dafür, warum wir – beispielsweise - die Demokratie als die wertvollste Staatsform und die Freiheit des Individuums als höchsten Wert ansehen, warum unsere Philosophie die Vernunft als Richtschnur des Handelns betrachtet und so den Anstoß zu einer  Naturwissenschaft gab, die die Phänomene rational analysiert. Hier kommen wir an den Griechen nicht vorbei.

 

Grundfragen des Menschen: Wer bin ich?

Diese Angewohnheit der Griechen, prinzipielle Fragen zu stellen, führt dazu, dass diese im Unterricht immer wieder zum Thema gemacht werden. Es sind Fragen wie: Was ist Glück? Was bedeuten Freundschaft und Liebe? Was ist wichtiger – der Einzelne oder der Staat? Ist die Seele unsterblich? Wie ist die Welt entstanden? Was ist wahre Gerechtigkeit? Welchen Wert hat die Technik? Die Antworten der Griechen auf diese Fragen stehen oft zu dem, was unsere Konsum-Gesellschaft bietet, in einigem Widerspruch. In dieser Spannung zwischen einst und jetzt soll der Schüler oder die Schülerin sich zu den angesprochenen Fragen selbst eine Meinung bilden können und diese bewusst vertreten können. Es geht also letztlich darum, sich in der Welt, in der wir leben, besser zurecht zu finden.

 

Kulturelle Kompetenz: Vom Ödipuskomplex bis zur Tantalusqual

Zentral für das griechische Denken sind die Sagen von den olympischen Göttern und den großen Helden wie Herakles, Theseus oder Jason. Aus diesen Geschichten haben sich eine ganze Reihe von geflügelten Worten entwickelt: Damoklesschwert, Tantalosqual, Sisyphusarbeit, Ödipuskomplex, Eulen nach Athen tragen, ein Fass ohne Boden, Argusaugen, Danaergeschenk, Kassandrarufe, Zankapfel und und und…. Sich mit diesen Geschichten, Gedanken und Begriffen auszukennen bedeutet in kultureller Hinsicht kompetent zu sein.

 

Wortgeschichten, Etymologien, Fremdwörter: Der griechische Grundwortschatz

Auch abgesehen von den Inhalten verhilft der Sprachunterricht zu vertiefter Bildung und zwar durch den Erwerb des Grundwortschatzes: Die allermeisten Fremdwörter im Deutschen sind keine Anglizismen, wie man vielleicht denken könnte, sondern stammen aus dem Lateinischen und Griechischen. Die wissenschaftliche Fachterminologie vieler Studienfächer besteht aus griechisch-lateinischen Hybridbildungen. Das Aufspüren und Erkennen von Etymologien macht Spaß und hilft, Fremdwörter zu verstehen – und gegebenenfalls auch zu durchschauen!

Zurück: Griechisch

Weiter: Kennen Sie die Fremdwörter?