Am Beginn des Weges kann eine Begegnung mit der griechischen Redekunst stehen: Hier werden z. B. bei dem athenischen Redenschreiber Lysias sprachliche Strategien angewendet, die heute noch in jedem Rhetorik- oder Kommunikationshandbuch stehen. Der Charakter der Menschen, die Lysias zu uns sprechen lässt, steht uns lebendig vor Augen – wir meinen fast, sie selber reden zu hören.

Oder die Schüler lesen einen Dialog des Satirikers Lukian: Er bringt alle möglichen Sprecher auf die Bühne – Götter, Hetären, Philosophen – Weltraumreisende! und reißt ihnen die Maske vom Gesicht.

Vielleicht werfen wir im Unterricht auch einen Blick auf die sogenannten „Vorsokratiker“, die sowohl die Naturwissenschaft als auch die Philosophie begründet haben, aus unserer Sicht ein moderner Ansatz, denn für diese Forscher gab es keine fest gezogene Grenze zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.

Oder die Schüler lernen anhand von Platons Verteidigungsrede die Gestalt des Sokrates besser kennen, die ihnen bereits aus der Lehrbuchphase bekannt ist. Sokrates wehrt sich in seinem Prozess gegen die ungerechten Anklagepunkte, indem er sich auf sein Gewissen beruft und offenbart dabei, dass er keine Angst vor der drohenden Todesstrafe hat.

 

Ganz sicher aber lesen wir Homer, Anfang und Gipfel der griechischen Literatur, den die Griechen so verehrten, dass sie ihn „göttlicher Homer“(theios Homeros, θεῖος Ὅμηρος) nannten. Seine Werke, Ilias und Odyssee, sind nicht nur grundsätzliches Vorbild für die gesamte europäische Literatur, sondern auch davon ganz abgesehen ein Fundus an feinfühliger Psychologie und höchster Charakterisierungskunst. In der Ilias lernen wir, welche katastrophalen Folgen für die Gemeinschaft entstehen können, wenn die Anführer ihrer Verantwortung aus egoistischen Gründen nicht gerecht werden. Die Odyssee zeigt uns in der Gestalt des Odysseus einen Menschen, dessen sprichwörtlich gewordene Irrfahrt durch bekannte und unbekannte Länder letztlich nur eine Reise zu sich selbst ist.

Einer der wichtigsten Autoren der Oberstufe ist Herodot, der „Vater der Geschichtsschreibung“. Er beschreibt die Geschichte der Perserkriege, doch sein Werk ist weit mehr als nur ein Kriegsbericht: Tatsächlich bemüht er sich, die Nichtgriechen, die „Barbaren“, besser zu verstehen. Die Auseinandersetzung mit dem Fremden – ein Thema, aktueller denn je!

Sprachlich anspruchsvoll, inhaltlich herausfordernd, doch von zentraler Bedeutung für die europäische Bildungstradition ist die Tragödie, die Werke des Sophokles, Euripides oder Aischylos. Die Schüler lesen sie in Klasse 12 und lernen z. B. mit der Antigone eine Gestalt kennen, die ihr persönliches Anliegen über die Ansprüche des Staates stellt und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Wie entsteht dieser tragische Konflikt? Dieser Frage gehen sie gemeinsam mit ihrem Lehrer nach.

Abschluss und Krönung unseres Griechischunterrichtes ist die Platon-Lektüre. Mit seiner Philosophie, der sog. „Ideenlehre“, fragt er immer nach dem Wesen der Dinge. In seiner Suche nach der Antwort auf die Frage „Was ist Gerechtigkeit?“ entwickelt er eine Theorie des Menschen und des Staates, die zum Klassiker geworden ist und so bis heute immer wieder neu als Ausgangspunkt politischer Diskussionen dient.

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