Muss man eigentlich wissen …

  • Unter welchen Umständen die Energiewende gelingen kann
  • Ob der Prozess der Europäischen Einigung durch die aktuelle Schuldenkrise gefährdet ist
  • Wie die Altersversorgung breiter Bevölkerungsschichten gewährleistet werden kann
  • Wie sich das Parteiensystem der Bundesrepublik seit den Anfängen verändert hat
  • Welchen Herausforderungen sich Großorganisationen wie Parteien oder Gewerkschaften in unserer Zeit stellen müssen
  • Wieso man bei einem Umzug nach Bonn nur zwei Leistungskurse in der Oberstufe belegen müsste
  • Wie ein gerechtes Wahlsystem beschaffen sein muss
  • An welchen (auch moralischen) Maßstäben sich Volksvertreter messen lassen müssen
  • Wieso die Todesstrafe nicht wieder eingeführt werden darf
  • Auf welchen geistig-moralischen und philosophischen Grundlagen unser Gemeinwesen basiert
  • Weshalb sich Regierung und Parlament nicht wie unversöhnliche Kontrahenten gegenüberstehen
  • Wie Interessengruppen versuchen, auf politische Entscheidungsträger und Gesetzgebungsverfahren Einfluss zu nehmen
  • Warum Spitzenpositionen in der Wirtschaft nur selten von Frauen eingenommen werden
  • Warum man nicht jedem Diktator dieser Erde durch massives militärisches Eingreifen das Handwerk legen kann
  • Wie Deutschland in Bündnissystemen seine Interessen zur Geltung bringt
  • Wer eigentlich die Macht hat in Staat und Gesellschaft, und:
  • Ob das unabänderlich ist
  • Was man tun kann, wenn man sich einmischen und Dinge verändern will?
  • Politikunterricht ist wertegebunden (unverzichtbare Wertorientierungen ergeben sich aus der Verfassung und einschlägigen Gesetzen, Lehrplänen, etc.).
  • Praktizierung und Einübung bestimmter Methoden, die sich an der zunehmend wachsenden Eigenverantwortlichkeit der Schüler orientieren, haben übergeordneten Zielen Rechnung zu tragen.
  • Das kann nicht gelingen, wenn die Lehrkraft immer ‚Recht hat‘, oder die eigenen Überzeugungen anderen, im legitimen Meinungsstreit geäußerten, als überlegen darstellt.
  • In bestimmten Themenfeldern hat der Unterrichtende kaum natur- alters- status-bedingten Kompetenzvorsprung; ob Eurobonds eine gute Idee oder gar das Allheilmittel zur Krisenbewältigung in der Eurozone sind oder nicht; ob Drohnen zur Jagd auf und Eliminierung von Terroristen eingesetzt werden sollten, dies kann durchaus in gleichberechtigter, ebenbürtiger Weise zwischen Lehrkraft und Lerngruppe kontrovers erörtert werden.
  • Offenheit, Toleranz, Respektierung anderer (auch von ,der Norm‘ abweichender) Auffassungen, aber auch: Einsicht, dass falls man sich in einer Minderheitsposition befindet, dem Mehrheitsprinzip in aller Regel Vorrang gewährt werden muss. Letztlich fördert all dies die Einübung und Verinnerlichung demokratischer Prinzipien und Spielregeln.
  • Offenheit geht mit Öffnung des Unterrichts einher: neben Medienvielfalt werden auch externe Vermittler eingebunden (Vorträge, Seminare, Konferenzen, Wahlkampfveranstaltungen, etc.).
  • Eine solide, medial vermittelte Informationsbasis wird (insbesondere im LK) beim Schüler vorausgesetzt: Informationsverarbeitung, problemlösendes Denken mit dem Ziel einer eigenen fundierten Urteilsbildung stehen in der Oberstufe im  Vordergrund.
  • Wenn daraus politisches Handeln – im weitesten Sinne – erwächst, kann von geglücktem Unterricht gesprochen werden.

Auf all diese Fragen – und unzählige fiktive weitere – würden die Sozialkunde-Lehrerinnen am Görres-Gymnasium (und vermutlich anderswo auch) voller Inbrunst antworten: JA, SELBSTVERSTÄNDLICH !  Sicher nicht jeweils auf Expertenniveau, aber ein Grundwissen in diesen Bereichen ist allemal wünschenswert. Nur, die Frage drängt sich auf, wozu? Ist das nicht furchtbar anstrengend, sich ständig auf dem Laufenden zu halten, um bei diesen anspruchsvollen Themen noch durchzublicken, sich im Austausch mit anderen Meinung und Urteil zu bilden?

Das ist nicht von der Hand zu weisen, doch was ist die Alternative? Kann die Vorstellung des frisch gebackenen Abiturienten locken, der mehrere Fremdsprachen beherrscht, naturwissenschaftliche Phänomene erklären kann, musisch und künstlerisch gefördert wurde, per Schraubensalto vom Reck abgeht, und vieles mehr aus 8 2/3 Jahren GG mitnimmt, in politischen Angelegenheiten aber Analphabet geblieben ist? Erschreckend! Dem jungen Mensch würde in erheblichem Umfang Rüstzeug fehlen, um sich in dieser komplexen Leistungsgesellschaft zurechtzufinden – ganz zu schweigen von der Gefahr permanenter Manipulierbarkeit und dem Verzicht auf verantwortungsvolle Teilhabe am öffentlichen Leben.

 

Überlegungen zu Zielvorstellungen und Vorgehensweisen

Helmut Maurer

 

 

 

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