Was ist guter Geschichtsunterricht?

Wenn Sie die Antwort kennen, brauchen Sie diesen Text nicht mehr zu lesen.

Wir kennen die endgültige Antwort darauf nicht. Abseits dessen haben wir auch große Bedenken gegen die, die behaupten, es absolut zu wissen, weshalb wir Historikerinnen und Historiker ein ganz besonderes Grüppchen sind. 

Wir arbeiten aber stetig daran, die neuesten Erkenntnisse aus der allgemeinen Didaktik und der Fachdidaktik und aus den am Unterricht interessierten Wissenschaften in unser Konzept guten Unterrichts einzubauen.

Daher ist guter Unterricht für uns nach heutigem Stand ein Dreischritt, den die Fachdidaktik gerne mit den Schritten Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion von Geschichte umschreibt. Dieser Dreischritt muss unserem Verständnis nach sehr stark von den Schülerinnen und Schülern geleistet werden, da Geschichte ein Denkfach ist und es nicht unser Ziel sein kann, den Schülerinnen und Schülern das Denken abzunehmen, sondern sie im Gegenteil immer wieder zu motivieren, nachzudenken und Aspekte kritisch zu hinterfragen. Da Denken aber auch gelernt werden muss, suchen wir immer wieder nach möglichen Anknüpfungspunkten in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, um Lernen überhaupt erst zu ermöglichen. Denn wenn ich keinen Sinn in dem eigenen Tun erkennen kann, bleibt Lernen auf der Strecke, wobei wir beim Thema wären.

Versuchen wir also, diese Überlegungen an einem Alltagsbeispiel zu beschreiben: einem Auto.

  • In einem ersten Schritt gehen wir also los und betrachten das Auto ganz gründlich und stellen uns die Frage, wie dieses Auto wohl konstruiert worden ist. Dabei betrachten wir, warum die einen davon so begeistert sind, dass sie es zu ihrem Hobby machen und viel Geld darin investieren, warum andere wiederum so viel Wert auf eine bestimmte Marke oder Preisklasse legen und warum wiederum andere damit wenig oder gar nichts anfangen können und deshalb das Auto als reines Fortbewegungsmittel oder gar nur als Umweltverschmutzer verstehen. Um die Ausgangsfrage aber gründlich und quellenkritisch, wie wir Historikerinnen und Historiker nun einmal sind, beantworten zu können, nehmen wir das Auto ordentlich auseinander und betrachten die Einzelteile, die größeren Zusammenhänge und den Hintergrund, in dem dieses Auto so gebaut wurde. Wer hat dieses Auto wohl so gebaut und welche Vorstellungen von Auto mag dieser Mensch, diese Gruppe von Menschen dabei gehabt haben? Warum wurde das Auto so und nicht anders erstellt? Wer hat ein Interesse daran, das Auto so zu bauen? Dies sind in dieser Phase nur einige Fragen, die uns bei der Suche nach Antworten umtreiben.
  • Damit endet unsere Arbeit aber noch lange nicht, da wir bislang nur den Konstruktcharakter des Autos untersucht haben. Im nächsten Schritt versuchen wir also zu rekonstruieren, was dieses Auto ausmacht, wie es zustande gekommen ist und warum es so und nicht anders vor uns steht. Dieser Schritt der Rekonstruktion ist dabei ein durchaus kreativer Prozess, da wir auf der Basis unseres Sachwissens unser Verständnis einbringen, wie dieses Auto zusammengesetzt werden kann. Haben wir das Auto also endlich rekonstruiert (und hoffentlich keine Teile übersehen), hören wir aber immer noch nicht auf.
  • Dann hinterfragen wir diesen Prozess und überlegen und diskutieren, welche Bedeutung die Konstruktion und die Rekonstruktion für unser Auto, für uns als Auto- oder Radfahrer oder überhaupt hat. Im Rahmen dieser Dekonstruktion hinterfragen wir also kritisch unser eigenes Tun  - und damit das Auto.

Dieser Dreischritt ist beim Auto aber, das garantieren wir für unser Konzept guten Geschichtsunterrichts, weniger spannend als bei den Aspekten, die wir im Unterricht von der Ur- und Frühgeschichte des Menschen mit Beginn des Geschichtsunterrichts in der 7. Kasse bis zur Frage in der Jahrgangsstufe 13, ob Europa nur noch Geschichte, aber keine Zukunft mehr hat, untersuchen und diskutieren.

Sollten Ihnen jetzt Fragen gekommen sein, ist dies durchaus bezweckt. Wir freuen uns darauf, diese Fragen mit Ihren Kindern im Geschichtsunterricht am Görres zu beantworten.

 

 

Neue Artikel

01.01.2021

Ganztagsschule als Angebot am Görres-Gymnasium - NEU

Ab dem Schuljahr 2020/21 gibt es für alle Schülerinnen und Schüler am Görres-Gymnasium die Möglichkeit, freiwillig am Angebot der Ganztagsschule teilzunehmen. Dieses Angebot richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5-7, und ist unabhängig von unserem Konzept der Bläser- und...

Mehr arrow

22.09.2019

Die neuen 5er auf große Fahrt oder wie man aus 6000 Bausteinen eine Klassenstadt baut

Am Mittwoch, den 28.08.19 starteten wir drei 5. Klassen des Görres-Gymnasiums vom Deinhardplatz in Richtung Bad Kreuznach, wo wir bis zum Freitag in der dortigen Jugendherberge unsere Kennenlernfahrt verbrachten.

Mehr arrow

22.09.2019

Herzliche Einladung zum Chorkonzert

Am Sonntag, den 22. September wirken die Gesangsklassen des Görres-Gymnasiums am Kreis-Chor-Konzert in der Florinskirche Koblenz mit. Ab 17 Uhr gestalten verschiedene Chöre des Kreis-Chor-Verbandes Koblenz, dem unsere Chöre angehören, einen kurzweiligen, musikalischen Ausklang des Wochenendes, den...

Mehr arrow